Beim Landesparteitag der SPD Baden-Württemberg am 19. und 20. Juni 2026 in Ulm hat sich die Partei nach dem schlechten Ergebnis bei der Landtagswahl personell und programmatisch neu aufgestellt. Die Delegierten wählten mit großer Mehrheit Isabel Cademartori und Robin Mesarosch erstmals als Doppelspitze an die Spitze der Landespartei. Auch die SPD Frauen Baden-Württemberg konnten dabei einen wichtigen Erfolg erzielen: Die von ihnen nominierten Corinna Friedrich und Nathalie Ziwey wurden als Beisitzerinnen in den neuen Landesvorstand gewählt.
Die SPD Frauen Baden-Württemberg werten dieses Ergebnis als gutes Zeichen für den anstehenden Erneuerungsprozess. Sie sehen darin auch die Chance, gemeinsam eine konsequent feministische Ausrichtung der Landespartei zu verankern.
Feministische Perspektiven im Mittelpunkt
In ihrem Redebeitrag betonte Corinna Friedrich die Notwendigkeit einer feministischen Perspektive: „Feminismus kann strukturell unbequem sein, weil er bestehende Machtverhältnisse in Frage stellt – genau darum geht es aber.“
Nathalie Ziwey unterstrich die wachsende Bedeutung der Arbeitsgemeinschaften innerhalb der Partei. Gerade vor dem Hintergrund schrumpfender Ortsvereine und Kreisverbände komme ihnen eine zentrale Rolle zu: Sie böten nicht nur innerparteiliche Impulse, sondern ermöglichten auch Nicht-Mitgliedern, sich an inhaltlicher Arbeit zu beteiligen.
Neue Parteispitze: Feminismus als Teil der progressiven Erneuerung
Die neue Landesvorsitzende Isabel Cademartori machte deutlich, dass die SPD Baden-Württemberg künftig als „progressive Volkspartei“ auftreten will. Dazu gehöre ausdrücklich, feministische Perspektiven in zukünftige Kampagnen zu integrieren.
Robin Mesarosch knüpfte daran an und verwies auf den grundlegenden Anspruch sozialdemokratischer Politik, eine Gesellschaft zu schaffen, in der alle gut leben können. Eine konsequent feministische Ausrichtung bedeute dabei auch, den Begriff von Arbeit neu zu denken: Neben Erwerbsarbeit müsse unbezahlte Care-Arbeit stärker anerkannt und geschützt werden.
SPD Frauen: Feministische Politik soll Leitprinzip werden
Die SPD Frauen Baden-Württemberg werten die Aussagen der neuen Parteispitze als wichtiges Signal und sprechen sich klar dafür aus, feministische Politik dauerhaft als Leitprinzip in der Programmatik der SPD Baden-Württemberg zu verankern. Dabei setzen sie auf eine enge und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem neuen Landesvorstand. Aus ihrer Sicht betrifft dies insbesondere folgende Politikfelder:
- Arbeit: stärkere Anerkennung unbezahlter Sorgearbeit, z.B. durch flexiblere Arbeitszeitmodelle für Fürsorgende und Beendigung von Benachteiligungen im Berufsleben
- Wohnen und Stadtentwicklung: Mehr familiengerechter Wohnraum sowie eine geschlechtergerechte Infrastruktur mit gutem Nahverkehr, Grünflächen und sicheren Wegen
- Bildung und Betreuung: Abbau struktureller Benachteiligungen, insbesondere für Frauen, die auch aufgrund unzureichender Betreuungsangebote häufig in Teilzeit arbeiten
Gerade im Bereich der Kinderbetreuung kritisieren die SPD Frauen, dass das bestehende System häufig noch davon ausgehe, dass ein Elternteil – in der Regel die Mutter – beruflich zurücksteckt. Dies führe langfristig zu geringeren Einkommen, Rentenlücken und zugleich zu ungleichen Bildungschancen für Kinder.
Fazit
Der Landesparteitag markiert für die SPD Baden-Württemberg einen deutlichen Neuanfang – personell wie inhaltlich. Mit der neuen Doppelspitze und einem klaren Bekenntnis zu feministischer Politik will die Partei künftig stärker gesellschaftliche Ungleichheiten adressieren und ihre Rolle als progressive Kraft im Land ausbauen. Die SPD Frauen Baden-Württemberg freuen sich darauf, diesen Weg gemeinsam mit dem neuen Landesvorstand konstruktiv zu gestalten.